Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu GAG

Sandra Lovizo, Leiterin Kommunikation GAG; Simona Caratus, Leiterin Betreuung & Pflege Stapfenmatt; Gina Kunst, Geschäftsführerin GAG; Barbara Schenker, Leiterin Spitex GAG

Was müssen Bewerber*innen vorweisen, wenn sie gerne im Alterszentrum Sunnepark GAG in Egerkingen arbeiten möchten? "Ein soziales Menschenbild muss vorhanden sein", meint Gina Kunst, Geschäftsleiterin der Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu. "Alles andere kann man lernen!" Passend dazu beschreibt sie die beiden Mottos des GAG: der "Mensch steht im Zentrum" und "Normalität leben".

Dass das nicht nur gutgemeinte Leitsätze sind, lässt sich bereits an der Kleidung der Betreuenden ablesen. Anstatt Uniformen oder Kittel sind hier Jeans und Pullover en Vogue; einzig ein kleines Namensschild unterscheidet Bewohner*innen von Betreuer*innen. Ausserdem sind grundsätzlich alle im Haus per Du – starre Hierarchien spielen im GAG keine Rolle. "Wir wollen in allen Aspekten Normalität und Gleichheit zum Ausdruck bringen", erklärt Kunst die Philosophie dahinter.

Eine Normalität, die gerade auch für Menschen mit Beeinträchtigung von grosser Bedeutung ist. Seit 2011 engagiert sich das GAG deshalb für die berufliche Eingliederung von beeinträchtigten Menschen. Die betreffenden Mitarbeiter*innen arbeiten etwa in der Pflege oder der Hauswirtschaft. Das GAG bietet ihnen neben Arbeitsversuchen und Wiedereingliederungsmassnahmen auch Ausbildungen und Festanstellungen an. "Nebst der wichtigen Arbeit, die sie jeden Tag leisten, erhalten sie durch die Arbeit auch eine gewisse Tagesstruktur", erklärt die Geschäftsleiterin.

Wie die Eingliederung von beeinträchtigten Personen eine Win-Win-Situation sein kann, beschreibt Kunst anhand von zwei Beispielen: "Auf der Demenzabteilung arbeitet im Moment eine alkoholkranke Person. Die Bewohner*innen begegnen ihr ohne Vorurteile und ohne Berührungsängste". Das Gleiche gelte für einen Mitarbeiter aus Äthiopien. Die Sprachbarriere sei dabei kein Problem, weil: "Demenzkranke Menschen kommunizieren in erster Linie übers Herz". Dennoch erhält der Äthiopier ab und zu sogar ein wenig Deutschunterricht von einigen Bewohner*innen der Demenzabteilung. "Das fördert die Motivation und die Dankbarkeit ungemein", stellt Kunst zufrieden fest.

Ganz nebenbei ist die Eingliederung zudem ein probates Mittel, um gegen den Pflegenotstand anzugehen. Immer mehr pflegebedürftige Personen sind auf immer mehr Pflegepersonal angewiesen. Es liegt also auf der Hand, motivierte Menschen mit einer Beeinträchtigung für diese Arbeit aufzubieten. Denn wo der Mensch im Zentrum ist und Normalität gelebt wird, braucht es nur ein soziales Menschenbild. Alles andere kann man lernen.